Martin Hüholt und Klaus Gebauer, IAS GmbH Karlsruhe
Auch mit PPS-Standardsoftware ist es möglich,
unternehmensindividuelle Anforderungen zu realisieren und
trotzdem releasefähig zu bleiben, wie das folgende Praxisbeispiel
aus der Metallverarbeitung zeigt.
Unternehmen, die sich nicht aus dem Markt verdrängen lassen
und weiterhin aktiv sein wollen, benötigen heute eine EDV-gestützte
ERP-Lösung, um schnell auf ihre Daten zugreifen und natürlich
auf die Kundenwünsche und Marktveränderungen flexibel und
schnell reagieren zu können. Dies sind in der Regel auch die
Ziele, die ein Produktions-, Planungs- und Steuerungs-System
verfolgt.
Eine offene PPS-Software lässt sich flexibel bei allen Fertigungsarten
einsetzen und bietet dem Unternehmen einen Überblick über
den Stand des Auftrages in der Fertigung. Zudem wird der gesamte
Durchlauf transparenter und eine Reduzierung der Durchlaufzeiten
um bis zum 20 Prozent ist durchaus realistisch.
Die Anforderungen an ein PPS-System sind heutzutage so vielseitig,
dass ein zunehmender Wandel bei den PPS-Systemherstellern
zu Anbietern umfassender betriebswirtschaftlicher Komplettlösungen
zu beobachten ist. Integrierte ERP-Lösungen werden zum Standard,
in denen das PPS-Modul den technischen Bereich der unternehmensweiten
Softwarelösung bildet.
Ein System, was alle diese Voraussetzungen erfüllt, ist die
integrierte ERP-Standardsoftware der Industrial Application
Software GmbH aus Karlsruhe.
Das IAS-Produktions-, Planungs- und Steuerungs-Modul ist das
wichtigste Instrument zur Abwicklung der Produktionsprozesse.
Alle Vorgänge werden genau dokumentiert, so dass eine Verfolgung
der Änderungen laut ISO 9000-Norm voll gewährleistet ist.
Die Anforderungen an MRP und MRP II werden mit der Bedarfsplanung
abgedeckt. Eine Besonderheit des IAS-PPS-Systems besteht darin,
dass Änderungen auf Kundenwunsch schnell und einfach realisierbar
sind. So können problemlos ganz gezielt einzelne Elemente
geändert werden, ohne in den gesamten Ablauf einzugreifen.
Dies kam bei der Dörrenberg Edelstahl GmbH, Engelskirchen,
zum tragen, die das spezielle know-how aus ihren diversen
Geschäftsfeldern in die neue Software-Lösung einbringen wollte.
Hier mussten völlig unterschiedliche Produktionsabläufe, z.B.
aus der Gießerei, Oberflächenbehandlung, Edelstahlbe- und
verarbeitung, praktisch mit einer Software, mit einer Installation
abgebildet werden. Die Altdatenübernahme aus den heterogenen
Datenquellen der Geschäftsbereiche in die gemeinsame neue
SQL-Server-DB war eine Herausforderung, die erfolgreich bestanden
wurde. Sämtliche Daten für alle Produkte und Geschäftsbereiche
sind nun in einer Datenbank gespeichert. Die Materialstammdaten
wurden um geschäftsbereichsspezifische Datensegmente mit technischen
Parametern der Produktionsprozesse erweitert, die nun im gesamten
IAS-System nutzbar sind.
Die Produktionsplanung wurde in den Geschäftsbereichen unterschiedlich
stark an den Vertrieb gekoppelt. Hier reicht das Spektrum
von der klassischen MRP bis zur direkten Erzeugung von Fertigungsaufträgen
aus dem Vertrieb heraus.
Es gibt zwei generelle Typen von Auswertungen. Einmal sind
die Auswertungen und die dazugehörigen Ausdrucke in vielfachen
abteilungsspezifischen Varianten hinterlegt, so dass sich
jede Abteilung die nur für sie relevanten, individuellen Daten
ausdrucken lassen kann. Zum anderen kann sich jeder Anwender
mit Hilfe der Standard-Query-Transaktion eigene Abfragen definieren
und damit Ad-Hoc-Auswertungen vornehmen.
Die Anpassungsfähigkeit des IAS-Systems war in einigen Geschäftsbereichen
der DE-GmbH besonders hilfreich. Im Geschäftsbereich Oberflächentechnik,
wurde die IAS-Software sogar soweit angepasst, dass man ohne
den sonst üblichen Artikelstamm auskommt. Die Berechnung von
Preisen und Arbeitsgangdauer erfolgt in Abhängigkeit von verschiedenen
geometrischen und verfahrenstechnischen Parametern mit Hilfe
von IAS-Formeln, die in Prüftabellen hinterlegt sind. Feste
Codierung auf Spezialisten-Niveau wurde vermieden; die Formeln
können von einem versierten Anwender selbst gepflegt werden.
Im Bereich Stahl werden beim Rückmelden von Arbeitsgängen
die Reststücke automatisch berechnet, generiert und dem Lager
zugebucht. Dabei werden alle relevanten technischen Daten
des Materials mit gespeichert, damit dieses später weiter
verwendet werden kann. Entstehender Schrott wird nach Güteklassen
getrennt verwaltet.
Für die Geschäftsbereiche der Gießereitechnik waren einige
Standardfeatures des Rückmeldewesens besonders nützlich. So
können außer den Standardparametern wie Maschinen-, Personal-
und Rüstzeit, Menge, Ausschuss- und Nachbearbeitungsmenge
(die automatisch in ein Sperrlager gebucht wird), bis zu drei
zusätzliche, frei definierbare Parameter zurückgemeldet werden.
Außerdem können beliebig viele Endprodukte (Kuppelprodukte)
erzeugt und zurückgemeldet werden. Die Produktkalkulation
bezieht durch die Verwendung dynamischer Formeln Kreislaufmaterial
und Legierungskosten mit ein.
Ein weiterer Wunsch war die Einteilung der Kunden und Lieferantendaten
in einzelne Geschäftsbereiche. Das heißt, obwohl auf einer
Datenbank und in einem System gearbeitet wird, kann man den
Kunden-/Lieferantenstamm, den gesamten Einkauf oder Vertrieb
getrennt nach den Geschäfts- bereichen bearbeiten und verwalten.
Gemeinsame Daten (z.B. Adressen) stehen aber allen Bereichen
gemeinsam zur Verfügung. Dies bedeutete aus EDV-Sicht das
Hinzufügen eines Schlüsselfeldes in eine Vielzahl systemweit
genutzter Tabellen. Diese sehr komplexe Anforderung konnte
trotz allen Widrigkeiten schnell realisiert werden und wurde
mittlerweile auch in den IAS-Standard übernommen.
Kurzcharakteristik der IAS-Software
Die IAS-PPS-Software besteht aus folgenden Komponenten:
Produktionsplanung: Verwaltung Absatzpläne
+ Primärbedarfen + Planprimärbedarfen, Zuordnung von Kundenaufträgen
zu den Primärbedarfen
Kapazitätsplanung: Verwaltung von Kapazitätsangeboten,
Grobkapazitätsbelastungssätzen, Feinkapazitätsbelastungssätze
Das Modul IAS-Finanzwesen beinhaltet:
Fibu: Kontenstamm, Haupt-, Debitoren- u.
Kreditorenbuchhaltung, Budgetierung, Offene-Posten-Verwaltung,
Bilanzen, GUV, Buchungen in verschiedenen Währungen, Zahlungsbelege
u. -pläne, Finanzperioden, Historienverwaltung, automatische
Mitbuchung der Sachkonten
Kostenstellenrechnung: Kostenstellenplan,
Kostenstellen-Vorgangskalkulation, Kostenverteilung, Reporting,
Übergabe der direkten Kosten an relevante Kostenstellen, Korrektur
der Gemeinkosten, Kostentransfer, Kostenanalysen
Kostenträgerrechnung: Mitlaufende u. Batch-Kalkulation,
Kalkulations-Vergleich, Analyse Produktkalkulation, frei definierbare
Kostenträger/Objekte, Zuordnung der Kosten zu Kostenträgern,
Plan-und-IST-Kosten-Vergleich der Kostenträger
Autoren:
Martin A. Hüholt, 36, Diplom-Informatiker, Leiter der Softwareentwicklung
und Prokurist bei der Industrial Application Software GmbH,
Karlsruhe.